Wie die Medizinische Fakultät für Bielefeld zum Standortfaktor wird
Beim zweiten Netzwerktreffen von „WEGE auf Schlür” erhielten rund 20 Teilnehmende aus dem Bielefelder Gewerbeimmobilienmarkt Einblicke in einen der wichtigen Zukunftsstandorte der Region. Mit rund 31.000 Quadratmetern Fläche, mehreren Gebäuden, modernen Labor- und Lehrbereichen und Raum für weitere Entwicklung zählt die neue Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld zu den sichtbaren Zukunftsprojekten am Wissenschafts- und Gesundheitsstandort Bielefeld.
Dr. Frank Lohkamp, Geschäftsführer der Medizinischen Fakultät, führte die Gruppe über den Campus und gab Einblicke in die Entstehung des Standorts, die aktuelle Nutzung der Gebäude und die Perspektiven für die kommenden Jahre.

Von der Gründung 2018 bis heute
Die Fakultät wurde 2018 gegründet, nachdem die nordrhein-westfälische Landesregierung im Sommer 2017 die Einrichtung einer medizinischen Ausbildungsstätte in Ostwestfalen-Lippe beschlossen hatte. Im Wintersemester 2021 nahmen die ersten Studierenden ihr Studium auf. Heute wächst die Fakultät Schritt für Schritt weiter. Das Ziel: langfristig mehr medizinischen Nachwuchs für die Region ausbilden.
Warum der Standort für Bielefeld zählt
Ein wichtiger Aspekt ist der sogenannte „Klebeeffekt”: Wer in einer Region studiert, praktische Erfahrungen sammelt und berufliche Netzwerke aufbaut, bleibt später häufig auch dort. Vor dem Hintergrund des Mangels an Hausärzt:innen und einer älter werdenden Ärzt:innenschaft ist dieser Effekt für Ostwestfalen-Lippe besonders relevant.
Auch wirtschaftlich hat der Aufbau der Fakultät Gewicht. Mit dem Gesamtprojekt sind erhebliche Investitionen in Neubauten, Labore und Infrastruktur verbunden. Es entstehen neue Arbeitsplätze, Studierende kommen in die Stadt, und auch Bereiche wie Wohnen, Gastronomie und Dienstleistungen profitieren. Die Medizinische Fakultät ist für Bielefeld damit nicht nur ein Bildungs- und Forschungsprojekt, sondern ein klarer Standortfaktor.
Einblicke ins Skills Lab
Während des Rundgangs wurde deutlich, wie vielfältig der neue Campus bereits heute genutzt wird. Besonders anschaulich zeigte sich das im Skills Lab. Unter der Leitung von Dr. med. Anne-Kathrin Eickelmann, die seit 2023 an der Fakultät tätig ist, lernen Studierende dort grundlegende ärztliche Untersuchungstechniken. Auch die Kommunikation mit den Patient:innen spielt eine große Rolle. Zur Schulung von Patientengesprächen arbeitet die Fakultät mit ausgebildeten Schauspieler:innen zusammen. So üben angehende Ärzt:innen Gesprächssituationen realitätsnah.



Eng verzahnt mit der Versorgung
An der Universität Bielefeld wird der Studiengang Medizin als Modellstudiengang angeboten. Grundlagen und klinische Praxis sind eng miteinander verzahnt, der Bezug zur Versorgung beginnt früh. Gleichzeitig ist die Fakultät stark in die regionale Gesundheitslandschaft eingebunden. Das Evangelische Klinikum Bethel, das Klinikum Bielefeld und das Klinikum Lippe bilden gemeinsam das Universitätsklinikum Ostwestfalen-Lippe (OWL). Ergänzt wird dies durch ein großes Netzwerk an Lehrpraxen in der Region.
Forschung auf 4.000 Quadratmetern
Auch die Forschung ist ein zentraler Bestandteil des Standorts. Auf rund 4.000 Quadratmetern Laborfläche wird auf hohem wissenschaftlichem Niveau geforscht. Dabei geht es unter anderem um Fragen, die unmittelbar mit der medizinischen Versorgung zu tun haben. Warum wirken Schmerzmittel bei Menschen unterschiedlich? Oder wie lassen sich Forschungsergebnisse in neue Ansätze für Diagnostik, Therapie oder Versorgung überführen?
Spannende Einblicke gab es auch in die Biobank: Dort werden Proben mithilfe von flüssigem Stickstoff eingelagert und für künftige Forschungsfragen nutzbar gemacht. Ein Thema war zudem der Schutz von Erkenntnissen über Patente, die sich perspektivisch weiterentwickeln lassen.

Wie der Standort weiter wächst
Für die Teilnehmenden von „WEGE auf Schlür” bot der Besuch damit nicht nur einen Blick hinter die Türen eines neuen, hochmodernen Hochschulstandorts, sondern auch auf die Verbindung von Immobilienentwicklung und Gesundheitswirtschaft. Die noch unbebauten Flächen zeigen, dass der Standort weiterwachsen kann. Die bereits fertiggestellten Gebäude machen sichtbar, welche Dynamik hier in den vergangenen Jahren entstanden ist.