Margarethe Nickel

Geschäftsführerin

Eucher GmbH & Co. KG.

Margarethe Nickel von Euscher

Margarethe Nickel ist seit Anfang 2026 Geschäftsführerin des familiengeführten Industrieunternehmens Euscher GmbH & Co. KG. Ihr Weg dorthin war nicht bis ins Detail geplant. Vielmehr entwickelte sich ihre Karriere Schritt für Schritt. Im Gespräch erzählt sie, warum gute Führung für sie Nähe zum Unternehmen bedeutet, weshalb Nachhaltigkeit weit mehr ist als Ressourcenschonung und warum Familie zu haben und die eigene Karriere voranzutreiben, kein Widerspruch sein müssen. 

v.l.: Kim Lasche vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL führte das Interview mit Margarethe Nickel.

Du bist seit Anfang des Jahres Geschäftsführerin. War das schon immer dein Karriereziel? 

Nein, tatsächlich überhaupt nicht. Ich bin da eigentlich reingeschlittert. Nach meinem Studium zur Diplom-Wirtschaftsingenieurin war ich zunächst in einer Unternehmensberatung tätig und habe verschiedene Projekte begleitet. Eines davon führte mich in das Unternehmen, in dem ich heute arbeite. 2015 bin ich ins Projektmanagement eingestiegen, später folgten die Werksleitung sowie die Verantwortung für Produktion, Technik und Entwicklung. Der Schritt in die Geschäftsführung hat sich daraus entwickelt. Ich habe nie aktiv auf diese Position hingearbeitet. Vielmehr hatte ich immer Freude daran, Verantwortung zu übernehmen und mich weiterzuentwickeln.  

Was hat diesen Weg ermöglicht?

Unsere Unternehmenskultur. Wer engagiert ist und gute Arbeit leistet, bekommt bei Euscher die Chance, sich weiterzuentwickeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand eine Frau oder ein Mann ist, wie alt die Person ist oder welchen Hintergrund sie mitbringt. Diese Haltung wird bei uns schon lange gelebt. Als familiengeführtes Unternehmen legen wir außerdem großen Wert darauf, dass sich Menschen langfristig wohlfühlen und Beruf und Privatleben miteinander vereinbaren können. Gleichzeitig sind wir international aufgestellt. Unsere Mitarbeitenden arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern zusammen und sammeln dadurch viele neue Perspektiven. 

Nachhaltige Transformation spielt in eurem Unternehmen eine wichtige Rolle. Was bedeutet das für dich?

 Nachhaltigkeit ist für mich viel mehr als Energie oder Ressourcen einzusparen. Natürlich investieren wir in moderne Technologien und optimieren unsere Prozesse, weil das sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Beides gehört zusammen. Gleichzeitig bedeutet Nachhaltigkeit aber auch, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehören Ausbildung, Nachwuchsförderung und die Möglichkeit, sich im Unternehmen weiterzuentwickeln. Viele Kolleginnen und Kollegen haben ihre Karriere bei uns mit der Ausbildung begonnen und tragen heute Führungsverantwortung. Auch das ist gelebte Nachhaltigkeit. 

Unternehmen stehen heute ständig vor Veränderungen. Wie gelingt es, die Mitarbeitenden dabei mitzunehmen?

Veränderung funktioniert aus meiner Sicht nur gemeinsam. Deshalb verteilen wir Verantwortung bewusst auf mehrere Schultern. Wenn jemand eine gute Idee hat, wünschen wir uns auch, dass diese Person an der Umsetzung beteiligt ist. So entstehen Identifikation und Verständnis dafür, dass Veränderungen nicht immer geradlinig verlaufen. Jedes Projekt hat Phasen, in denen es schwierig wird. Wer diesen Weg mitgeht, erlebt aber auch die Erfolge und erkennt, welchen Unterschied das eigene Engagement macht. 

Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben? 

In einem familiengeführten Mittelstandsunternehmen bedeutet Führung für mich nicht nur zu delegieren. Mir ist wichtig, nah am Tagesgeschäft zu bleiben und zu verstehen, welche Herausforderungen die Mitarbeitenden beschäftigen. Nur, wer weiß, wo es hakt, kann gute strategische Entscheidungen treffen. Gleichzeitig darf man sich nicht im Operativen verlieren. Genau diese Balance macht gute Führung für mich aus. 

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Vereinbarkeit gemacht?

Für mich sind Muttersein und eine Führungsposition kein Widerspruch. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass die Gesellschaft daraus manchmal einen macht. Ich wünsche mir, dass wir Frauen uns gegenseitig stärker unterstützen und weniger bewerten. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Jede Familie muss ihren eigenen finden. Natürlich ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein täglicher Balanceakt und ein schlechtes Gewissen gehört manchmal dazu. Mal braucht die Familie mehr Aufmerksamkeit, mal der Beruf. 

Meine Mutter war ebenfalls berufstätig und damit ein wichtiges Vorbild für mich. Meine Schwestern und ich sind früh selbstständig geworden und haben Verantwortung übernommen und gelernt, füreinander da zu sein. Dafür wurde meine Mutter damals häufig kritisiert. Rückblickend bin ich jedoch überzeugt, dass sie alles richtig gemacht hat. Gerade, als sie später schwer erkrankte, war ihre finanzielle Unabhängigkeit ein großer Vorteil. 

Für mich gelingt Vereinbarkeit aber nicht allein, sondern durch ein unterstützendes Umfeld sowohl in der Familie als auch im Beruf. Gleichzeitig sehe ich auch die positiven Seiten der Berufstätigkeit. Ich kann die Erfahrungen, die ich im Arbeitsalltag sammle, an meine Kinder weitergeben und sie bei ihren eigenen Herausforderungen unterstützen. Das habe ich schon bei meiner Mutter erlebt. Ich war immer stolz auf sie. 


Das Interview führte Kim Lasche, Projektmanagerin im Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL. Fotos: Lena Beurskens, Kommunikationsmanagerin Arbeitsmarkt und Bildung OstWestfalenLippe GmbH.

Die ECHT-Reihe „Bielefelder Frauen in der Wirtschaft“ ist eine Kooperation des Kompetenzzentrums Frau und Beruf OWL, der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH und der Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld.

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